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Nachlese gfo Kongress 2019Artikel vom 15. Januar 2020

Heimat Organisation - mit Bedacht mehrdeutig...

Das Motto war mutig gewählt, die Teilnehmer, die mutig genug waren, sich darauf einzulassen, wurden reichlich belohnt. Denn nach kürzester Zeit war allen Beteiligten klar, wie aktuell, wie umfassend und wie aufschlussreich der Aspekt „Heimat“ für jede Organisation im Jahr 2019 ist.

Der Hinweis auf den Heimvorteil, den jeder aus dem Sport kennt, war für den Präsidenten der gfo, Dr. Rudolf Lütke Schwienhorst, in seiner Eröffnung denn auch nur der Appetizer auf dem Weg zur Grundhypothese, dass in einer Zeit, in der sich die guten Mitarbeiter:innen aussuchen können, welches Angebot sie annehmen, die Organisationen, die das Stück sinnstiftender Heimat für ihre Leistungsträger schaffen, die besseren Chancen haben, die Mitarbeiter:innen zu gewinnen und zu binden, die für die Spitzenleistung im Wettbewerb benötigt werden.

Als ein Unternehmen, das die Konsequenzen aus dieser Hypothese in vorbildlicher Weise lebt, konnte Xenia Meuser in ihrer Rolle als VP HR ihr Unternehmen vorstellen. Denn die Verantwortlichen der XING SE waren auch durch die motivatorische Kraft, die das Thema „New Work“ bei den eigenen Mitarbeiter:innen freigesetzt hatte, selber motiviert, das Unternehmen in New Work SE umzubenennen – was inzwischen geschehen ist.

Ähnliche Beispiele aus Unternehmen wie der BMW AG oder der TeamBank AG verdeutlichten den Kongressteilnehmer:innen sehr rasch, welche Bedetung das Thema Heimatgebung durch Sinnstiftung und ähnliche Konzepte inzwischen in der Praxis erlangt hat.

Wie weit solche Konzepte in der Praxis bereits geführt wurden, zeigte das Beispiel des „unmöglichen Unternehmens“, das von Uwe Lübbermann selber vorgestellt wurde, der sich selbst als „Gründer und zentralen Organisator“ und eben nicht als Unternehmer bezeichnet. Denn letzterer Titel würde nicht zu einem Menschen passen, der in einer so klassischen Branche wie dem Getränkehandel eine Organisation in Konsensdemokratie mit allen Beteiligten aufgebaut hat, in der es trotz Zusammenarbeit mit 1.700 Partnern bis zum heutigen Tag keinen Rechtsstreit gegeben hat – obwohl es keinen einzigen Vertrag gibt.

Diese sehr lehrreichen Beispiele aus der Praxis wurden beim Jahreskongress gemäß dem Anspruch der gfo, die Brücke zwischen Theorie und Praxis im Fach Organisation zu schlagen, von herausragenden Beiträgen aus der Forschung kontrastiert: Da ist zunächst der bewährte Kollege Andreas Aulinger zu nennen, der die Teilnehmer:innen auf seine Suche nach dem Sinn im Unternehmen mitgenommen hat, bei der er bei Viktor Frankl fündig geworden war und wo er dessen Erkenntnisse für die Arbeit in Organisationen fruchtbar machen konnte.

Die Kehrseite der Medaille beleuchtete dann Jan Schilling mit seinem höchst amüsanten Parforceritt durch die Forschung zum Thema „Organisationaler Zynismus“. Denn dieses Phänomen tritt gerade dann auf, wenn es Organisationen eben nicht gelingt, den Mitarbeiter:innen einen Sinn für Ihre Arbeit aufzuzeigen, sondern sie besonders durch Führungskräfte, die das Eine reden und das Andere tun, die Sinnlosigkeit ihres eigenen Bemühens vor Augen geführt bekommen und mit zynischem Verhalten darauf reagieren.

So konnten die Teilnehmer:innen sich im Nachmittag geistig gut gerüstet und körperlich gut gestärkt in parallelen Lernwerkstätten wahlweise mit der provokanten These, dass man Kultur eh nicht ändern kann, auseinandersetzen oder lernen, wie das Betriebliche Gesundheits-management dazu beitragen kann, die Gesundheit der Organisation aktiv zu gestalten.

Wer sich in der Zwischenzeit bereits mit den Student:innen ausgetauscht hatte, die wegen ihrer exzellenten Masterarbeiten zum Kongress eingeladen worden waren, schaute der Vergabe des gfo-Student-Award im Nachmittag mit Spannung entgegen.

Da hatte der Berichterstatter aus dem Silicon Valley zum Abschluss des ersten Tages keinen leichten Stand, als er uns von der „Wildwasserfahrt der Organisation“ berichtete, die er dort aus erster Hand erleben konnte.

Das Gala-Dinner im Hotel war für alle TN dann eine perfekte Gelegenheit, die vielfältigen Anregungen des Tages im kleinen Kreis zu diskutiren und die Kontakte dabei zu vertiefen.

Der zweite Tag des Kongresses startete dann mit dem Big Picture der DAX-Unternehmen. Denn der Präsident der gfo konnte die Ergebnisse der ersten Bestandsaufnahme und Analyse der Organisation der führenden deutschen Unternehmen präsentieren. Diese Studie repräsentiert auch in mustergültiger Weise die Idee der gfo, stets die Brücke zwischen Theorie und Praxis in allen Fragen der Organisation zu schlagen – und das in beide Richtungen.

Und so war der weitere Tag einer Vielzahl weiterer Aspekte der „Heimat Organisation“ gewidmet, die in zahlreichen Praxisbeispielen aufgezeigt werden konnten.

Diese Aspekte reichten von der Motivationstheorie bis zur praktischen Verglücklichung der Mitarbeiter in einer äußerst erfolgreichen Marketingagentur, vom digitalen Kundenservice im Großkonzern Bosch bis zur handfesten „Erstorganisation“ im Start-Up und ihren Konsequenzen für die weitere Entwicklung der Unternehmen, von den Lehren aus der (staatlichen) Organisation der Zukunft in China bis zur typisch Kölner Erkenntnis „ Heimat, dat is e Jeföhl“.

Dazwischen konnten die Teilnehmer:innen zwischen drei Fachforen wählen, in denen
- die Ausgestaltung der „Heimatorganisation“ in so unterschiedlichen Einheiten wie einem internationalen Familienunternehmen oder einer lokalen IHK,
- die Transformation von Bereichen durch eine neue Logik für Organisationen bei Siemens oder der Kulturwandel durch Prozessmanagement bei Panasonic
- der Mensch in der Transformation am Beispiel der Auswirkungen der Digitalisierung auf die Führung und Organisation in der Steuerberatung
thematisiert und in kleinen Gruppen eingehend beleuchtet wurden.

Der Kongress fand seinen letzten Höhepunkt dann in den faszinierenden Einblicken in die Zukunftsperspektiven der Künstlichen Intelligenz und ihre Konsequenzen für unsere Organisationen, die die Teilnehmer:innen aus der abschließenden Key Note mitnehmen konnten.

Als Dr. Kai Krings und Dr. Rudolf Lütke Schwienhorst als Moderatoren des Kongresses die Veranstaltung beendeten, konnten sie nicht nur mit den Teilnehmer:innen auf zwei spannende Tage zurückblicken, die eine Vielzahl von Denkanstößen platzieren konnten, sondern mit dem 27./28. Oktober 2020 auch gleich den Termin für das nächste Jahr verkünden, zu dem wir uns wieder in Düsseldorf treffen, dann (vermutlich) unter dem Motto „Selbstorganisation – ganz einfach machen!“

Nachlese auch in der zfo 1/20 oder der Website zum Kongress 2020

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